Edling – Es ist der 10. Oktober 2025: Im Spiel gegen die SGS Essen erleidet RB-Leipzig-Spielerin Giovanna Hoffmann einen Kreuzbandriss im linken Knie. Es ist der zweite Kreuzbandriss in ihrer Karriere. Im Interview spricht sie über ihre Reha, den Wechsel zum VfL Wolfsburg und verrät, wie sie auf die ersten Wochen im neuen Verein blickt.
Gio, knappe neun Monate sind seit deinem Kreuzbandriss vergangen. Mittlerweile ist es vertretbar zu sagen: Du befindest dich auf der Zielgeraden deiner Reha.
Gio: Und dabei fühlt es sich ehrlich gesagt noch nicht so wirklich an, als wäre ich auf der Zielgeraden (lacht). Die Fußballfitness fehlt einfach noch, und das linke Knie fühlt sich noch nicht so an wie das rechte. Ich bin da aber wahrscheinlich auch immer ein bisschen zu streng. Doch die Zielgerade wäre für mich, wenn ich in Wolfsburg direkt mit der Mannschaft trainieren könnte. Vorerst wird es aber noch auf individuelles Training hinauslaufen.
Wie zufrieden bist du mit dem Verlauf der Reha insgesamt?
Gio: Ich hatte schon einmal einen Kreuzbandriss auf der anderen Seite. Im Vergleich dazu war der Verlauf wirklich sehr, sehr mühsam.
Inwiefern?
Gio: Hinsichtlich der Dauer der Schmerzen und wie lange ich in meiner Beweglichkeit im Alltag eingeschränkt war. Auch jetzt bin ich teilweise noch nicht komplett schmerzfrei – und die Verletzung liegt fast neun Monate zurück. Das zerrt an den Nerven. In Verbindung mit meiner Sprunggelenksverletzung von vor elf Jahren am linken Fuß war der Verlauf der Reha insgesamt kompliziert. Unweigerlich vergleicht man natürlich die beiden Knieverletzungen, auch wenn man das nicht tun soll. Bei meinem ersten Kreuzbandriss war ich zur gleichen Zeit schon sehr viel weiter. Dass ich jetzt in der Vorbereitung auf die neue Saison nicht einfach nur ‚ballern‘ muss, wie man das sonst macht, wenn man fit ist, ist hart.
Für viele Menschen ist nur der Moment sichtbar, in dem du dein Comeback auf dem Fußballplatz gibst. Ein Moment, auf den du monatelang hinarbeitest und in dem unglaublich viel Arbeit, Disziplin und Mentalität stecken. Was war die größte Herausforderung, die für Außenstehende nicht sichtbar ist?
Gio: Die Verletzung hat mich mental in ein tiefes Loch geworfen. Das Tag für Tag zu überwinden, ist eine Riesen-Hürde. Alle sehen nur die Instagram-Postings, dass man wieder Radfahren oder Joggen kann. Aber wie viel mehr dazugehört, ist nicht sichtbar. Der Kampf mit sich selbst etwa, oder die Schmerzen. Ich glaube, ich habe vier Monate lang nach dem Tag der Verletzung keine Nacht durchgeschlafen. Das ist wahnsinnig kräftezehrend.
Wie bist du damit umgegangen?
Gio: Hätte ich vor meiner Verletzung nicht so ein gutes Jahr gehabt, und gemerkt, dass ich auf internationalem Top-Niveau mitspielen kann und es mir extreme Freude macht, hätte ich vermutlich aufgehört. So war aber von Anfang an klar für mich: Ich will das unbedingt wieder erleben. Seit Tag eins möchte ich einfach immer nur den nächsten Tag schaffen. So kommt man durch die Wochen und Monate. Und seit ich hier bei COROX bin, habe ich auch gemerkt: Es geht voran, es ist nicht aussichtslos.
Kreuzbandriss-Reha bei COROX
Du bist seit Anfang Februar immer wieder für eine Woche oder eine längere Zeitspanne bei uns für die Reha. Wie bist du zu COROX gekommen?
Gio: Knapp drei Monate nach meiner Operation habe ich mich mit Professor Hinterwimmer vom OrthoPlus in München ausgetauscht. Das war in einer Phase, in der es meinem Knie wirklich sehr schlecht ging. Ich hatte ein Kontroll-MRT, das er sich angeschaut hat. Als wir telefonierten, legte er mir ans Herz, eine Zeit lang in eine andere Reha zu gehen. Er hat mir COROX by Hans Friedl empfohlen. Lara Marti (Fußballspielerin bei RB Leipzig und der Schweizer Nationalmannschaft), die auch schon hier zur Reha war, meinte ebenso: ‚Vielleicht ist das etwas für dich.‘ So habe ich mich direkt dafür entschieden und, Gott sei Dank, ging es recht schnell, dass ich kommen durfte.
Was macht die Reha bei COROX für dich aus?
Gio: Ganz ausschlaggebend sind die tollen Menschen, die hier arbeiten. Als Sportler ist man völlig aus seinem normalen Alltag herausgerissen und quasi am Ende der Welt in Edling, nur um die Reha zu absolvieren. Und es ist wirklich hart. Alle wissen, was es für Sportler bedeutet, hier zu sein. Alle geben einem das Gefühl, dass sie gerne mit einem zusammenarbeiten, dass es nichts gibt, was wir nicht wieder hinkriegen, und dass es okay ist, auch mal einen schlechten Tag zu haben. Sie fühlen total mit – im Guten und im Schlechten. Ich fühle mich hier total wohl. Das ist das eine, was es menschlich so ausmacht. Gleichzeitig leben alle einen enormen Anspruch: ‚Du willst wieder Champions League spielen, du willst wieder Nationalmannschaft spielen, dann muss dein Knie perfekt sein und wir haben jeden einzelnen Tag den Anspruch daran, dem gerecht zu werden.‘ Sie machen alles, was dafür notwendig ist. Man kann hier einfach das Lenkrad abgeben und sich zu tausend Prozent darauf verlassen, dass das was gemacht wird, gut ist. Es ist der Mix, warum ich es hier als sehr, sehr gut empfinde.



Bei all den Herausforderungen: Konntest du aus deiner Verletzung etwas Positives ziehen?
Gio: Rückblickend kann ich davon irgendwann sicher viel Positives mitnehmen. Ich habe hier auch sehr viel von Hansi gelernt. Etwa, dass es in Ordnung ist, einen Anspruch zu haben und sich nicht mit wenig zufriedenzugeben. Dass ich nicht immer nur funktionieren kann und es eben auch menschlich ist, mal einen schlechten Tag zu haben. Gleichzeitig habe ich auch wahnsinnig viel über meinen Körper gelernt und erkannt, wie viel man eigentlich schaffen kann, ohne sich immer danach zu fühlen.
Neues Kapitel für Giovanna Hoffmann beim VfL Wolfsburg
Dein Blick richtet sich nun auf den VfL Wolfsburg. Im März wurde dein Wechsel dorthin bekannt gegeben. Wie blickst du auf deine Zeit bei RB Leipzig zurück?
Gio: Total positiv insgesamt. Natürlich ist es sehr schade, dass ich die letzte Saison fast komplett verpasst habe. Dennoch glaube ich, dass sich sowohl der Verein als auch ich als Spielerin total gut entwickelt haben. Ich verlasse RB schweren Herzens. Ich bin dankbar. Auch wenn es nur eine sehr kurze Zeit dort war, war sie für mich sehr prägend.
Was hat den Ausschlag gegeben, dich für ein neues Kapitel beim VfL Wolfsburg zu entscheiden?
Gio: Hauptsächlich die Chance, internationalen Vereinsfußball zu spielen. Ich hoffe, dass wir uns für die Champions League qualifizieren. Das ist ein Traum, den ich schon immer hege. Bei Leipzig besteht die Option sicherlich auch, sich dorthin zu entwickeln, aber es dauert wahrscheinlich noch ein bisschen. Ich bin nun bald 28 Jahre alt und ich weiß nicht, ob so eine Chance noch einmal kommt. Wenn man einen Traum hat, muss man manchmal mutig sein und ihn einfach in Angriff nehmen.
Wie blickst du auf deine ersten Wochen in Wolfsburg?
Gio: Es waren krasse Persönlichkeiten, die den Verein verlassen haben. Insgesamt gab es einen großen Umbruch, das Personal hat sich aber in der Breite nicht enorm verändert. Ich bin sehr gespannt, wie wir uns als Mannschaft finden und wie die Stimmung im Verein ist – beispielsweise vor dem Hintergrund des Abstiegs der Männer. Für mich als neue Spielerin ist es natürlich doof, dass ich Großteile der Vorbereitung vermutlich verpassen werde – je nachdem, wie sich mein Knie in den nächsten Wochen entwickelt. Ich versuche das alles auf mich zukommen zu lassen und mich so gut wie möglich in die Mannschaft einzufügen.
Dein Comeback wirst du im neuen Trikot machen. Was bedeutet das für dich?
Gio: Die Vorfreude könnte nicht größer sein. Ich hatte noch nie eine so große Sehnsucht, auf dem Platz zu stehen und mich mit der Mannschaft zu bewegen. Manchmal denke ich mir aber auch: ‚Ich weiß ja auch gar nicht wie lange es noch dauert.‘ Hansi ist total optimistisch. Es ist aber einfach noch ein Stück zu gehen und es wartet noch viel Arbeit auf mich. Wer weiß, was die nächsten Wochen bringen. Die Reha war die anstrengendste bisher. Wenn ich das geschafft habe, werde ich enorm stolz sein, es überwunden zu haben.
Interview und Fotos: Michelle Brey