Edling – 4:19:35 Stunden, Platz eins in seiner Altersklasse, Platz 5 von knapp 2000 gestarteten Amateuren: Der 70.3 Ironman Zell am See-Kaprun hätte für Triathlet Florian Deibl nicht besser laufen können. Zumal es sein letzter Wettkampf vor dem IRONMAN Hawaii war. Ein Interview mit Flo über die Vorbereitung, seine Erwartungen und seine Ziele für die IRONMAN World Championship im Oktober.
Flo, nach Zell am See ist vor dem IRONMAN Hawaii. Dort bist du bereits im Jahr 2024 gestartet. Nach deiner erfolgreichen Qualifizierung geht es im Oktober erneut nach Kona. Was ist diesmal anders?
Flo: Diesmal stürze ich nicht eine Woche vor dem Rennen mit dem Rad. Ich bin topfit und nicht so lädiert wie vor zwei Jahren. Das ist das große ‚Andere‘ als 2024.
Wenn du an deinen Start von damals zurückdenkst: Was ist das Erste, das dir in den Kopf kommt?
Flo: Der Start ist etwa gegen sieben Uhr morgens. Du bist also um vier Uhr schon vor Ort. Eigentlich weißt du genau, was auf dich zukommt. Aber dieser Ort und diese Leute dort geben dir so eine Ehrfurcht. Ich hatte eineinhalb, zwei Stunden zuvor richtig ‚die Hosen voll‘. Erstens, weil ich nicht gewusst habe, ob es mit den Wunden überhaupt funktionieren wird, das Rennen zu beenden. Bis zum Renntag war ich gar nicht mehr im Wasser. Und zweitens wegen dieser Atmosphäre, dieser Spannung dort. Man kann es fast nicht beschreiben. Das gibt es nur dort so und es treibt einem schon die Angst und den Respekt in die Adern.
War dieses Feeling für dich mit dem Startschuss direkt weg?
Flo: Ja, der Startschuss fiel, es ging los und ich habe gemerkt: ‚Okay, es tut nicht so weh, es geht.‘ Das ist eigentlich bei jedem Triathlon so. Sobald du das Adrenalin verspürst, vergisst du alles andere. Sobald du loslegst, bist du in deinem Modus.
Welche Gedanken gehen einem kurz vor Ende durch den Kopf?
Flo: 2024 auf Hawaii wusste ich von Beginn an: ‚Ich möchte einfach nur ins Ziel kommen.‘ Und irgendwann hatte ich dann auch den Gedanken, dass ich es schaffe. Die letzte halbe Stunde läuft man mit glasigen Augen zurück. Speziell auf Hawaii ist die gesamte Woche noch einmal wie in einem Film vor meinem inneren Auge abgelaufen – vom Sturz bis zum Rennen selbst. Im Ziel warteten dann mein Sohn Felix und meine Frau Christina – alles war gut und ich war einfach dankbar.
Flo Deibl vor dem IRONMAN Hawaii: „Ich will mutig sein“
Am 10. Oktober gehst du erneut an den Start. Was möchtest du dieses Jahr sportlich verändern?
Flo: Ich weiß jetzt definitiv, was mich erwartet. Dieses Mal kann ich richtig ‚racen‘. Vor zwei Jahren musste ich es überleben. Jetzt kann ich angreifen. Ich habe ein paar Ziele, die ich gerne erreichen würde. Ich will mutig sein. Vor zwei Jahren war ich sehr ehrfürchtig aufgrund der Umstände. Nun weiß ich, was ich kann und was ich will und so gehen wir es an.
Welche Ziele hast du?
Flo: Das darf man nicht sagen, denn, wenn es nicht klappt, bist du der Depp vom Dienst (lacht). Nein, Spaß beiseite. Also, ich würde schon gerne in die Richtung einer Zeit von neun Stunden gehen. Wenn du das als Amateur schaffst, bist du schon gut unterwegs. Und diesmal kann mich nichts mehr schocken. Ob Wind oder Hitze oder die steigende Luftfeuchtigkeit, ich bin darauf vorbereitet. Und ich liebe es.
Perfekte Bedingungen also für dich?
Flo: Absolut. Wir sitzen heute hier und draußen hat es 15 Grad bei leichtem Regen. Das ist sehr unangenehm für mich. Wenn es auf Hawaii warm ist, mag ich das schon sehr gerne.



Wie lange vorher reist du an?
Flo: Zwei Wochen. Pro Stunde Zeitverschiebung hat man im besten Fall einen Tag. Ich bin mit 14 Tagen gut dabei und dann perfekt auf die Bedingungen vor Ort eingestellt.
Worauf freust du dich am meisten?
Flo: Auf diesen Inselflair. Jeder, der schon dort war und das hier gerade liest, weiß, was ich meine: Es gibt ganz viele Gerüche und Geräusche auf der Insel, die man nicht beschreiben kann. Man hört Vögel zwitschern, sieht kleine Geckos, es riecht wie eine Prise frisches Obst. Diese Unbekümmertheit der Leute, diese Herzlichkeit, das Miteinander, das Relaxte. In eine ganz andere Welt einzutauchen, darauf freue ich mich am meisten. Gleichzeitig wird es vorerst das letzte Mal auf Hawaii sein.
Dein Trainingsplan ist voll auf dieses Rennen ausgelegt. Das stelle ich mir sehr zeitaufwändig vor. Gleichzeitig führst du ein Unternehmen und hast eine Familie. Wie gelingt es dir, alles unter einen Hut zu bekommen?
Flo: Alles in allem ist es Zeitmanagement. Meine gesamte Woche ist eingeteilt – und ich bin sehr dankbar, dass ich das so machen kann. Über die letzten zehn Jahre habe ich mir mein System so gebastelt, dass es funktioniert. Würde meine Familie darunter leiden, würden meine Mitarbeiter davonlaufen oder könnte ich die Leistung nicht bringen, dann würde es nicht funktionieren. Es muss alles ineinandergreifen.
Wie sieht dein Tag aus – zwischen Arbeit, Training und Familie?
Flo: Ich stehe jeden Tag gegen vier, halb fünf Uhr morgens auf – völlig unabhängig vom Wochentag. Das mache ich aber nicht aus Zwang, sondern aus einer inneren Motivation heraus. Dann trinke ich meinen Kaffee, absolviere die erste Einheit und dann steht unser Junior auf. Anschließend geht es ins Geschäft, mittags folgt eine zweite Einheit, beispielsweise hier bei Corox. Nachmittags arbeite ich wieder und im Anschluss folgt eventuell noch eine weitere Einheit.
Vorbereitung auf den IRONMAN Hawaii
Und das Trainingspensum für die Vorbereitung auf den IRONMAN Hawaii?
Flo: Stundentechnisch sind wir bestimmt bei 20 bis 22 Stunden netto – Anfahrtszeiten zum Training sind da noch nicht miteingerechnet. In der Regel sind es zwei Einheiten pro Tag. Das haben wir über die letzten zehn Jahre hinweg aufgebaut. Ich merke auch, dass ich von Jahr zu Jahr noch besser werde. Es sind kleine Schritte, aber es geht noch etwas. Mit 41 Jahren ist es aber natürlich auch noch einmal etwas anderes als mit 30 oder 25 Jahren.
Das Corox-Training und deine Physio-Einheiten sind auch ein fester Bestandteil für dich. Inwiefern würdest du sagen, hat das eine Auswirkung auf deine Performance?
Flo: Das hat eine sehr große Auswirkung. Der Hansi ist für mich fast genauso wichtig wie mein Trainer, mit dem ich seit zehn Jahren zusammenarbeite. Hansi schaut mich an und weiß, wie es mir geht, wie ich mich fühle. Er sieht natürlich auch sofort, ob ich schief bin oder im Lot. Die Sicherheit zu haben, dass ich hierherkommen kann, wenn mir etwas fehlt, wenn es zwickt, ist sehr viel wert. Gleichzeitig weiß ich, dass die Corox-Einheiten kein 08/15-Stabitraining sind. Die Mädels und Burschen kennen meine Schwächen ganz genau, sie gehen dorthin, wo es wehtut. Das ist total effektiv, wenngleich es nur eine halbe Stunde pro Woche ist. Ich muss hier teilweise mehr schwitzen als in irgendeiner triathlonspezifischen Einheit.
Wenn du auf die letzten Wochen vor Kona blickst: Was ist das Schwierigste?
Flo: Es gibt zwei Herausforderungen. Erstens, du darfst dich nicht verrückt machen lassen. Und zweitens, du darfst dich nicht mehr verletzen oder krank werden. Und dann geht es eigentlich eh schon los. Die Zeit bis Hawaii läuft.
Interview und Fotos: Michelle Brey